Der Karl-Küpper-Platz mitten in der Kölner Innenstadt trägt seit 15 Jahren den Namen eines der bemerkenswertesten Karnevalisten der Stadt. Viel mehr erinnert vor Ort bislang allerdings kaum an den Mann, der sich während der NS-Zeit mit Humor und deutlichen Spitzen gegen die Nationalsozialisten stellte.
Das könnte sich ändern. Studierende der Köln International School of Design (KISD) haben sich intensiv mit dem Platz beschäftigt und ein Konzept entwickelt, wie aus dem bislang eher unscheinbaren Areal ein lebendiger Erinnerungsort werden könnte.
Am Samstag, 26. September 2026, werden die Ideen erstmals ausführlich öffentlich auf dem Karl-Küpper-Platz vorgestellt.
Vier Ziele für den Karl-Küpper-Platz
Unter dem Titel „Karl. Küpper. Platz?“ haben sich die Studierenden nicht nur mit der Biografie des Karnevalisten beschäftigt. Sie untersuchten auch den Platz selbst, beobachteten seine Nutzung und führten Gespräche mit verschiedenen Beteiligten.
Dabei entstanden vier zentrale Entwicklungsziele:
Karl Küpper stärker würdigen, die Aufenthaltsqualität verbessern, den Platz karnevalistisch erschließen und ihn stärker mit dem Leben und den Einrichtungen im Umfeld vernetzen.
Wie das konkret aussehen könnte, zeigen die Studierenden am Samstag anhand ihrer Entwürfe und Zukunftsszenarien.
Dabei soll ausdrücklich noch keine fertige Denkmallösung präsentiert werden. Vielmehr geht es um eine Grundlage, auf der später weitere gestalterische und künstlerische Ideen entstehen können.
Erinnerung, Karneval und Veedel zusammenbringen
Die Idee geht damit deutlich über eine zusätzliche Gedenktafel hinaus.
Der Karl-Küpper-Platz soll nach Vorstellung der Projektgruppe künftig ein Ort werden, an dem Erinnerungskultur, Karneval, Veedelsleben und der normale Alltag in der Kölner Innenstadt zusammenkommen.
Für das Projekt wurden auch Angehörige Karl Küppers sowie Vertreter aus Karneval, Kulturszene und Stadt einbezogen. Hinzu kamen Menschen, die sich intensiv mit der Kölner Geschichte während des Nationalsozialismus beschäftigen.
Bei einem Workshop auf dem Platz konnten sie ihre Vorstellungen und Ideen einbringen.
Wer war Karl Küpper?
Karl Küpper wurde 1905 geboren und gehörte zu den außergewöhnlichsten Büttenrednern des Kölner Karnevals.
Berühmt wurde er nicht nur wegen seines Humors, sondern insbesondere wegen seines Umgangs mit den Nationalsozialisten.
Während viele Bereiche des Karnevals in der NS-Zeit gleichgeschaltet wurden, machte Küpper auf der Bühne immer wieder Gesten und Sprache der Machthaber lächerlich.
Besonders bekannt wurde seine Persiflage auf den Hitlergruß. Küpper hob den Arm und verband die Geste mit kölschen Bemerkungen, die den vermeintlichen Gruß ins Lächerliche zogen.
1939 erhielt er schließlich Redeverbot.
Auch nach dem Krieg blieb Küpper unbequem und griff politische und gesellschaftliche Verhältnisse in seinen Auftritten auf.
Er starb 1970.
Seit 15 Jahren trägt der Platz seinen Namen
Seit 2011 erinnert der Karl-Küpper-Platz in der Altstadt-Nord an den Karnevalisten.
Doch genau hier setzt die Kritik der vergangenen Jahre an: Wer den Platz besucht, erfährt bislang nur wenig über den Menschen, dessen Namen er trägt.
Auch die Aufenthaltsqualität des Areals wird seit längerem diskutiert.
Die Studierenden wollen deshalb nicht einfach ein klassisches Denkmal aufstellen. Ihre Vision ist ein Platz, an dem Küppers Geschichte sichtbar und verständlich wird – der gleichzeitig aber weiterhin ein tatsächlich genutzter Teil der Innenstadt bleibt.
Kölner können sich die Pläne am Samstag ansehen
Wie diese Vorstellungen konkret umgesetzt werden könnten, zeigt die Projektgruppe am 26. September von 14 bis 18 Uhr direkt auf dem Karl-Küpper-Platz.
Interessierte können sich dort die Entwürfe und Zukunftsszenarien ansehen und sich an der Diskussion über die weitere Entwicklung beteiligen.
Auch musikalisch wird das Programm kölsch: Rolly Brings, Lucito und Flor de Sauco begleiten die Veranstaltung.
Der Eintritt ist frei.
Ob und welche Ideen anschließend tatsächlich umgesetzt werden, steht noch nicht fest. Die Präsentation könnte aber der nächste Schritt sein, um aus einem Platz, der bislang vor allem Karl Küppers Namen trägt, tatsächlich einen Erinnerungsort an einen der unbequemsten Narren der Kölner Karnevalsgeschichte zu machen.
Quelle: Köln International School of Design (KISD), TH Köln
