Auf der Bühne sorgen sie für kölsche Lebensfreude – doch beim Blick auf ihre Heimatstadt sehen Oli Niesen von Cat Ballou und Peter Brings längst nicht alles durch die rosarote Brille.
Die beiden Musiker haben offen über Probleme gesprochen, die ihnen in Köln zunehmend Sorgen bereiten. Dabei geht es vor allem um bezahlbaren Wohnraum, Familien und Kürzungen im sozialen Bereich.
Für Cat-Ballou-Frontmann Niesen ist das Thema auch ganz persönlich: Als Vater erlebt er die Situation in Kölner Betreuungseinrichtungen selbst.
„In allen sozialen Einrichtungen fehlt es“
Köln steht finanziell unter enormem Druck. Für die kommenden Jahre werden Defizite in dreistelliger Millionenhöhe erwartet, gleichzeitig muss die Stadt erhebliche Einsparungen vornehmen.
Dass diese Entwicklung Folgen für die Menschen hat, beschäftigt Oli Niesen.
Der Cat-Ballou-Sänger spricht von einem sozialen Abbau, durch den es den Menschen zunehmend schwerer gemacht werde.
Besonders deutlich werde das für ihn beim Blick auf die Betreuung von Kindern.
Niesen hat selbst Kinder in einer Kita und erlebt nach eigener Aussage, dass es in sozialen Einrichtungen an vielen Stellen fehlt und gleichzeitig weiter gekürzt wird.
Angst mache ihm diese Entwicklung zwar nicht – wohl aber Respekt.
Peter Brings kritisiert die Wohnungssituation
Peter Brings sieht noch ein weiteres großes Problem: bezahlbaren Wohnraum.
Gerade Familien hätten enorme Schwierigkeiten, in Köln eine passende Wohnung zu finden und diese anschließend auch bezahlen zu können.
Als Beispiel verweist Brings auf seinen Musikerkollegen: Niesen hat vier Kinder. Für eine sechsköpfige Familie eine geeignete und gleichzeitig bezahlbare Wohnung in Köln zu finden, ist inzwischen alles andere als selbstverständlich.
Die Situation gehe mittlerweile so weit, dass sich Menschen selbst bei bestehenden Mietverhältnissen fragen müssten, ob sie ihre Wohnung dauerhaft noch bezahlen können.
Kölsche Musiker mischen sich immer wieder ein
Dass sich Brings und Cat Ballou zu gesellschaftlichen Themen äußern, ist keineswegs neu.
Beide Bands stehen öffentlich für Demokratie, Vielfalt und ein tolerantes Miteinander. Peter Brings äußert sich darüber hinaus seit Jahren immer wieder deutlich zu sozialen und politischen Entwicklungen.
Auch beim großen Jubiläumskonzert von Brings am Kölner Dom am 5. September spielt soziales Engagement eine Rolle.
Die Band sammelt dort für das RTL-Kinderhaus am Kölnberg. Peter Brings hatte die dortigen Lebensbedingungen nach einem Besuch scharf kritisiert und angekündigt, die Einrichtung künftig unterstützen zu wollen.
„Immer för immer“ bekommt dadurch eine zweite Ebene
Passend dazu haben Brings und Cat Ballou gerade erstmals gemeinsam einen Song veröffentlicht.
„Immer för immer“ handelt von Zusammenhalt, Familie, Freundschaft und davon, füreinander einzustehen.
Vor dem Hintergrund der Aussagen von Niesen und Brings bekommt die Botschaft des Liedes noch einmal eine andere Bedeutung.
Denn für die beiden Musiker soll Zusammenhalt offenbar nicht nur eine schöne Zeile in einem kölschen Lied sein.
Gerade dann, wenn es für Familien und Menschen mit wenig Geld schwieriger wird, müsse eine Stadtgesellschaft zeigen, dass sie füreinander einsteht.
Und so steckt hinter dem neuen Sessionssong möglicherweise mehr Fastelovend, als es auf den ersten Blick scheint: zesamme stonn – nicht nur im Karnevalssaal.
