Die nächste Session rückt näher – und die Kölner Jecken feiern 2026/27 unter einem Motto, das weit über den Fastelovend hinausreichen soll:
„Morje es, wat do drus mähs!“
Auf Hochdeutsch bedeutet das ungefähr: „Morgen ist, was du daraus machst!“
Das Festkomitee Kölner Karneval stellt damit die Zukunft in den Mittelpunkt der neuen Session. Gleichzeitig steckt eine klare Aufforderung dahinter: Nicht nur darüber reden, was alles schiefläuft, sondern selbst aktiv werden.
Vom Ehrenamt geht der Blick in die Zukunft
Das neue Motto knüpft thematisch durchaus an die vergangene Session an.
2025/26 lautete das Sessionsmotto „ALAAF – Mer dun et för Kölle!“. Damit rückte das Festkomitee insbesondere die vielen Menschen in den Mittelpunkt, die sich ehrenamtlich für Köln engagieren.
2026/27 geht der Blick nun einen Schritt weiter nach vorne.
„Morje es, wat do drus mähs!“ soll daran erinnern, dass jeder Einzelne mit seinem Verhalten Einfluss darauf hat, wie sich Gesellschaft, Stadt und natürlich auch der Karneval entwickeln.
Dabei geht es nicht nur um die großen politischen Fragen.
Schon Hilfsbereitschaft im Alltag, ein respektvoller Umgang miteinander, ehrenamtliches Engagement oder nachhaltigeres Handeln können nach Vorstellung des Festkomitees einen Unterschied machen.
„Arsch huh und anpacken!“
Bei der Vorstellung des Mottos machte der damalige Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn deutlich, dass die Botschaft keineswegs als naives „Alles wird gut“ verstanden werden soll.
Kriege, internationale Krisen, Inflation und gesellschaftliche Probleme können schnell das Gefühl vermitteln, als Einzelner ohnehin nichts verändern zu können.
Genau dieser Haltung will das Motto etwas entgegensetzen.
Kuckelkorn brachte die Botschaft bei der Präsentation ziemlich kölsch auf den Punkt:
„Arsch huh und anpacken!“
Auch ein Statement für Demokratie
Das Festkomitee verbindet das Motto ausdrücklich auch mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Kritisiert wird eine Diskussionskultur, in der Menschen insbesondere in sozialen Netzwerken häufig nur noch übereinander statt miteinander reden.
Dem soll die Idee entgegengesetzt werden, miteinander nach Lösungen zu suchen und unterschiedliche Meinungen auszuhalten.
Damit bekommt das Sessionsmotto auch eine politische Dimension – ohne sich auf eine einzelne Partei oder konkrete politische Forderung festzulegen.
Die Botschaft lautet vielmehr: Demokratie lebt davon, dass Menschen sich beteiligen.
Wie setzen die Jecken das Motto um?
Besonders interessant dürfte werden, was die Kölner Karnevalsgesellschaften aus dem Motto machen.
Das Festkomitee wünscht sich ausdrücklich, dass während der Session zahlreiche kleine und große Zukunftsprojekte entstehen.
Als Beispiele nennt es etwa die Wiederverwendung von Kostümen oder Projekte an Schulen, mit denen die kölsche Sprache und das kölsche Liedgut an kommende Generationen weitergegeben werden.
Auch gesellschaftliches Engagement, Nachwuchsarbeit und Nachhaltigkeit bieten reichlich Möglichkeiten.
Und natürlich wird das Motto auch optisch eine große Rolle spielen.
Orden, Bühnenbilder, Kostüme und Veranstaltungen der Gesellschaften dürften „Morje es, wat do drus mähs!“ in den kommenden Monaten auf unterschiedlichste Weise interpretieren.
„Alaaf 2040“ soll Zukunft des Karnevals mitgestalten
Dabei beschäftigt sich auch das Festkomitee selbst mit der Frage, wie der Fastelovend künftig aussehen soll.
Mit dem wissenschaftlich begleiteten Projekt „Alaaf 2040“ sollen Schwerpunkte für die karnevalistische Arbeit der kommenden Jahre entwickelt werden.
Denn auch der Kölner Karneval steht vor Veränderungen.
Wie begeistert man junge Menschen dauerhaft für das Brauchtum? Wie entwickeln sich Gesellschaften und Sitzungen? Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung? Und wie bleibt der Fastelovend gleichzeitig das, was ihn seit Generationen ausmacht?
Das Sessionsmotto passt damit ziemlich genau in eine Zeit, in der sich auch der organisierte Karneval Gedanken über seine eigene Zukunft macht.
Die Session startet am 11.11.
Richtig los geht es am Mittwoch, 11. November 2026.
Dann startet Köln offiziell in die Session 2026/27.
Weiberfastnacht fällt anschließend auf den 4. Februar 2027, der Rosenmontagszug zieht am 8. Februar 2027 durch Köln. Am Aschermittwoch, dem 10. Februar, ist die Session vorbei.
Bis dahin dürften die Jecken ziemlich häufig mit fünf kölschen Worten konfrontiert werden:
„Morje es, wat do drus mähs!“
Und vielleicht ist genau das die Stärke des neuen Mottos: Es funktioniert im Karneval – aber eigentlich genauso gut an jedem anderen Tag des Jahres.
